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Märchen, ein neuer weg



Lau umwehte der Wind meinen Kopf, als ich wiedeinermal allein meinen Weg durch den Wald hinter mich brachte. Grau drückten die Wolken auf mein leicht angeschlagenes Gemüt hinunter, gewillt dies mit Leichtigkeit zu zerschmettern. Fast wäre mir das Herz gestockt, als der Himmel mit seiner gar grausig, donnernden Stimme hinter mir her rief. Eillig suchte ich Schutz im Dickicht. Leider war es dort so finster, dass ich in meiner Angst nicht aufpasste und über einen Baumstumpf stolperte. Ich schlug mit dem Kopf auf den Boden und konnte mich kaum rühren. Nach einiger Zeit zupfte etwas in meinen Haaren. Ameisen, dachte ich und richtete mich auf. Als ich jedoch genauer hinsah, erkannte ich, dass die Ameisen kleine Flügel hatten. Es waren kleine Feen, kaum größer als Glühwürmchen. Verzaubert beobachtete ich ihr treiben. Doch Plötzlich ergriff mich die Realität und ich merkte, dass ich keine Ahnung hatte, wo ich mich befand oder wie ich zurück finden sollte. Während diesem Moment der Ernüchterung, zupfte es wieder in meinen Haaren und es schien, als wollten die kleinen Feen, dass ich ihnen folge. Nach kurzem Marschtraute ich meinen Augen nicht. Der tiefste Wald wurde in ein göttliches Licht getauft. Mit weit gespreizten Flügeln, herrlich eisblauen Augen blickte mir stolz ein Engel entgegen. Warmherzig schloss er mich in seine Arme und ohne ein Wort, wurde mir bewusst, dass dies eine Aufforderung war bei ihm zu bleiben. So sehr mich diese liebliche Erscheinung auch fesselte, mein Herz rief nach der Heimat, und auch sie vernahm diesen Ruf, ohne das ein Wort meine Lippen verlies. Einige glitzernde Tränen liefen die Wangen des Engels hinab, und obgleich es ein weiteres leben in Einsamkeit bedeutete, löste er seinen Griff, als er mein inneres Verlangen bemerkte und übergab mich zurück in die Obhut der Feen, welche mich prompt davon zerrten. Nach wenigen Schritten fand ich mich auf der vertrauten Lichtung wieder, welche ich vorher so panisch verlassen hatte. Ich blickte noch einmal zurück und versuchte den Weg, welchen ich gerade durch den dichten Wald geführt worden war, zu erkennen. Doch umsonst. Alles was ich sah waren dichte Bäume und auch die Feen waren verschwunden. Ich bin mir nicht sicher, ob ich richtig entschieden habe, doch das helle licht und vor allem diese eisblauen, voll tränen glitzernden Augen werde ich nie vergessen.

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