Die ersten Stunden

Ein zerbrochenes Weinglas lag auf dem Boden, während neben ihm still sein Inhalt leise in den Teppich sickerte. Diese Spuren waren eigentlich das einzige was noch darauf hinwies, das in dieser Wohnung etwas, nein, irgendwer sein musste. Ohne ein Wort zu sagen, lag ich neben dem Glas und starrte mit weiten Augen an die Decke. Ich spürte den Luftzug an meinem Ohr, welcher süß in meinen Gehörgängen von vergangenen Zeiten säuselte. Über mir beobachtete ich meine künstlerisch formvollendete, geschwungene Deckenlampe, ein kompletter Fehlkauf, auf die ich aber trotzdem immer stolz war, da sie einst, vor meiner Küche den Hausflur eines Hundertwasserhauses schmückte. Ich analysierte sie ganz genau und bewunderte sie. Von künstlerischer hand geschaffen etwas darzustellen, bewundert zu werden, einen Zweck zu erfüllen. Doch welchen Zweck hatte ich eigentlich erfüllt? Keinen so wirklich, denn ich verbrachte mein leben immer nur damit, es mir irgendwie auf Kosten Anderer gut gehen zu lassen. Mein Fernseher stammte aus einer Zwangsversteigerung, Mein Auto aus Deutschland, jedoch verdächtig günstig in Polen gekauft. Selbst der Wein, welchen ich bis vor kurzem Trank und das dunkle Jacket auf meinem leibe gehören nicht mir, sondern fand ich im Kofferraum des eben erwähnten, durch Polen geschobenen schwarzen BMW's.

Mein Kopf wurde plötzlich durch einen starken Luftzug zur Seite gedreht, so dass ich unfreiwillig begann, auf die Schuhe zu starren, welche mein süßer Schatz dort Vergessen hatte. Selbst sie war erst mit einem Anderen zusammen, wie es jedoch meine Art war, nutzt ich die marode Situation zwischen den beiden für mich aus, denn ihr Freund arbeitete viel und konnte sich nicht viel um sie kümmern. Das übernahm ich natürlich gern für Ihn, denn sie ist trotz allem eine Klasse Frau, welche ich in 50 Jahren noch nicht verdient haben würde.

Was wohl in diesen 50 Jahren aus ihr werden wird, hm…, sie wird schon jemanden finden, einen besseren. Traurig muss sie auch nicht sein, denn so schade, ist es um mich nun wahrlich nicht… passiert halt, ich hatte Pech… Auch wenn es mit hätte etwas komisch sein sollen, das der Wein mindestens genauso nach Mottenkugeln schmeckte, wie das fremde Jacket roch. Nunja, das hatte ich von meiner typischen Art. Immer denken man, wüsste alles, könne alles, und müsse dies der Welt vor allem auch immer gleich noch mitteilen, kein Wunder das ich so oft mit dem kopf durch die Wand gehen musste, zum Leidwesen meines Rufes. Was soll's, passiert. Irgendwo war ich ja schon immer neugierig, was nach dem Hier und Jetzt kommt, nun erfahre ich es seit einigen Stunden, und muss sagen.. ich habe durchaus schlechteres erlebt...

© Florian Schmidt, 2007





-Ein Hoch auf die Kunst Frederic Chopins!-

13.5.08 22:36

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